Warum der Tagschlaf so viel wichtiger ist, als viele denken
Wenn Eltern zu mir in die Beratung kommen, höre ich ganz oft:
„Nachts schläft mein Baby so schlecht – aber tagsüber doch eigentlich ganz okay?“
Und genau da liegt oft der Knackpunkt. Tagschlaf und Nachtschlaf hängen enger zusammen, als man glaubt. Zu wenig, zu viel oder falsch getimter Tagschlaf kann den Abend unnötig schwierig machen.
Lass uns also gemeinsam anschauen, wie viele Nickerchen dein Baby wirklich braucht – ohne starre Pläne und ohne schlechtes Gewissen.
Wie viele Nickerchen braucht ein Baby?
Wichtig vorab: Das sind Richtwerte, keine Regeln. Dein Baby darf davon abweichen.
0–3 Monate: Schlafen, wann es geht
- Nickerchen: 4–6 (oder mehr)
- Länge: sehr unterschiedlich
- Rhythmus: noch chaotisch
In den ersten Wochen gibt es keinen klassischen Tagschlaf. Dein Baby schläft, wenn es müde ist – egal ob im Kinderwagen, auf dem Arm oder an der Brust.
Mein Tipp:
Mach dir keinen Stress mit Zeiten. Nähe, Sicherheit und Bedürfnisorientierung stehen jetzt an erster Stelle.
4–6 Monate: Erste Struktur entsteht
- Nickerchen: meist 3–4
- Länge: 30–90 Minuten
- Wachzeiten: ca. 1,5–2,5 Stunden
Jetzt beginnt der Tagschlaf sich langsam zu sortieren. Viele Babys zeigen klarere Müdigkeitszeichen – aber Übermüdung passiert schnell.
Mein Tipp:
Lieber ein Nickerchen zu früh als zu spät. Übermüdete Babys schlafen nicht besser, sondern oft schlechter.
7–9 Monate: Weniger ist mehr
- Nickerchen: meist 2–3
- Länge: oft 1–1,5 Stunden
- Wachzeiten: ca. 2,5–3 Stunden
Viele Babys brauchen jetzt keine 3 langen Nickerchen mehr. Das letzte Nickerchen wird häufig kürzer oder fällt ganz weg.
Mein Tipp:
Wenn dein Baby abends schlecht einschläft, lohnt sich ein Blick auf das letzte Tagschläfchen.
10–12 Monate: Übergangsphase
- Nickerchen: 2 (manchmal noch 3)
- Länge: unterschiedlich
- Wachzeiten: 2,5–4 Stunden
Das ist eine typische Umbruchphase. Manche Babys sind bereit für weniger Schlaf tagsüber – andere noch nicht.
Mein Tipp:
Beobachte dein Baby, nicht den Kalender. Stimmung und Einschlafverhalten sagen mehr als das Alter.
13–24 Monate: Der eine Mittagsschlaf
- Nickerchen: 1
- Länge: 1–2 Stunden
- Wachzeiten: 4–6 Stunden
Der Mittagsschlaf wird zum festen Bestandteil des Tages. Meist geschieht die Umstellung um den 15. Lebensmonat – das kann sehr individuell sein. Fällt der Mittagsschlaf weg oder ist zu kurz, sind abends oft Drama und Tränen vorprogrammiert.
Mein Tipp:
Ein früheres Zubettgehen kann an solchen Tagen Gold wert sein.
Wie du eine Abendroutine entwickelst, die den Tagschlaf sinnvoll ergänzt, beschreibe ich in „Einschlafen ohne Kampf …“
Typische Tagschlaf-Fehler (die fast alle Eltern machen)
Vielleicht erkennst du dich hier wieder:
- ❌ Nickerchen zu lange hinauszögern
- ❌ Angst vor „zu viel Tagschlaf“
- ❌ Jeden Tag andere Schlafzeiten
- ❌ Baby erst hinlegen, wenn es völlig übermüdet ist
Das Problem: Übermüdung baut sich auf – und entlädt sich oft abends oder nachts.
Woran du erkennst, dass der Tagschlaf nicht passt
Diese Anzeichen sehe ich in der Praxis besonders häufig:
- Dein Baby kämpft abends lange gegen den Schlaf
- Häufiges Aufwachen kurz nach dem Einschlafen
- Sehr frühes morgendliches Wachwerden
- Quengelige Nachmittage
Dann lohnt sich ein genauer Blick auf Anzahl, Länge und Timing der Nickerchen.
Mein Fazit
Tagschlaf ist kein „Lückenfüller“, sondern die Basis für erholsamen Nachtschlaf.
Du brauchst keinen perfekten Plan – sondern ein gutes Gespür für dein Baby und ein paar verlässliche Eckpunkte.
Wenn du unsicher bist, wie der Tagschlaf deines Kindes optimal aussehen könnte, begleite ich dich gern dabei – individuell, liebevoll und ohne Druck.
Du musst das nicht allein herausfinden.
Wenn dein Baby trotz optimalem Tagschlaf nachts sehr früh wach ist, hilft dir der Artikel „Dein Baby wacht sehr früh auf?“





